Donnerstag, 7. November 2013

Astronauten-Tagebuch

Ich quäle mich. Wieder.
Mein Foltermeister ist cremig-flüssig, wohnt in einem grünen Shaker und hört auf einen japanisch anmutenden Namen: Yokebe.

Ja, ich höre schon das Aufschreien. Wer eine radikale Diät anfängt, muss nicht nur seinen inneren Dämonen trotzen, sondern auch dem wohlwollenden sozialen Umfeld. Von mitleidigen Blicken, Expertentipps wie "Iss doch einfach gesund!", "Warum quälst du dich so, du bist doch nicht fett!" oder "Das ist bestimmt gesundheitschädlich!" bis hin zu offenen Sabotageversuchen wie strategisch platzierten Leibspeisen - dagegen sind Heißhungerattacken das geringste Übel.

Über manche Kritiken im Netz zu Formula-Diäten wie Yokebe oder Almased kann ich nur den Kopf schütteln. Da gibts zu einem die Leute, die, ohne das Produkt getestet zu haben, prophylaktisch Wertungen vergeben: entweder gute, weil die Beschreibung so toll klingt, oder schlechte, weil es ja per se "kompletter Schwachsinn" ist.
Ganz besonders toll finde ich Abnehmwillige, die die Shakes verreißen, weil sie so schlecht schmecken. Hallo? Erwartet ihr wirklich, dass ein Produkt zur Gewichtsreduktion (sic!) genauso schmeckt wie ein 3-Gänge-Menü? Diese Ekelreaktionen kann ich persönlich nicht bestätigen. Normale Yokebe-Shakes - oder, wie ich sie liebevoll nenne, "Astronautennahrung" - schmecken wie etwas pulverige Milchshakes, nur nicht so süß. Und wenn man sich in der ersten Phase von nichts anderem ernähren darf, bekommt man sogar richtig Appetit darauf.
Ob die Kunden das normale Yokebe-Pulver mit "Stoffwechsel-Aktiv", dem Vitaminpulver zur Diätergänzung verwechseln? Letzteres schmeckt zugegeben wirklich greißlich. Zum Glück ist, wie das Wort "Ergänzung" schon sagt, dieser Zusatz optional für die ganz Ehrgeizigen.

Warum Yokebe? Um einige typische Vorurteile auszuräumen:
  • Die Diät ist so konzipiert, dass man in der ersten (und zugleich härtesten Phase) sehr schnell viel abnimmt (aktueller Stand bei mir: 2 kg in 2 Tagen!). Durch die langsame und schonende Umstellung auf normale, gesunde Ernährung bleibt der Jojo-Effekt aus, wenn man alles richtig macht. Warum nicht gleich einfach nur gesund ernähren? Die meisten Leute, die anfangen, auf etwas zu verzichten, müssen zur weiteren Motivation schnell Ergebnisse sehen. Um sich zu vergewissern, dass man sich nicht umsonst quält. Außerdem bin ich ein Alles-oder-nichts-Mensch. Eine klare Struktur mit festen Regeln ist für mich gerade anfangs leichter einzuhalten als das schwammige "gesund ernähren". Hier mal eine Semmel, da eine Nascherei - nix da, nur Flüssignahrung. Da kann man nichts falsch machen.
  • Klingt paradox, aber: Obwohl man eine Dose Diätpulver nicht gerade nachgeschmissen bekommt, spart man auf lange Sicht Geld am Essen - gerade wenn man als Büro-Held nicht selbst kocht, sondern den Bäcker oder das Restaurant um die Ecke frequentiert. Um Nahrungssuche muss man sich in der Startphase keine Gedanken machen. Man hat sein Pulver, die fettarme Milch zum Anrühren vernachlässige ich in der Kalkulation, und eine 500ml-Dose Yokebe reicht bei 3 Shakes am Tag für mindestens 4 Tage. Und wieviel würde man in dieser Zeit normalerweise beim Bäcker, McDoof & Co. für 3 Mahlzeiten am Tag ausgeben?  Unterm Strich kostet eine Woche Yokebe-Ernährung, je nach Essgewohnheiten, also entweder genauso viel wie eine "normale" oder sogar weniger. 
  • Zugegeben: Die ersten Tage Flüssignahrung sind, gerade psychologisch, kein Spaziergang. Aber dadurch, dass die Shakes den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen und man nicht wirklich Hunger im Sinne von Bedarf verspürt, lernt man sehr schnell, wie sehr die Essgelüste doch Kopfsache sind. Die gute Nachricht: Diese Besessenheit vom Essen legt sich spätestens am dritten Tag, weil sich mental die Verbindung Hunger -> Nahrungsaufnahme allmählich entkoppelt. Man hat vielleicht Hunger, ist sogar von Essbarem umgeben, aber der Schritt, tatsächlich etwas "Normales" zu essen, wirkt irgendwann surreal, denn - "ich habe ja mein Yokebe". Astronauten haben es früher ja auch ohne feste Nahrung geschafft.
Heute ist der dritte Yokebe-Tag. Ich habe den Frühstücksshake und das Vitaminwässerchen schon intus und lebe immer noch - mir geht es sogar richtig gut.
Nach gefühlten Jahren endlich wieder eine glatte 0 nach der 5 auf der Waage zu sehen und die Aussicht, bald wieder unter 50 kg zu kommen (mein Wunschgewicht ist etwa 45 kg, was bei einer stolzen Körpergröße von 1,48 nicht magersüchtig, sondern gesund ist), verleihen mir Mut.
Am besten fange ich jetzt schon an, Reuegebete zum Fettweg-Gott emporzuschicken, damit er mir am Freitag das eine oder andere Feierabendbierchen verzeiht. Dies wird auch der Härtetest, ob ich nach einem Ausrutscher wie gehabt weitermachen kann.
Vorher-Nachher-Fotos wird es keine geben. Alleine, dass ich nach abgeschlossener Diät mich vor der Kamera wieder wohler fühlen werde, ist genug.
Ich halte euch auf dem Laufenden!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen